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Internationales Zentrum für Wissenschaftliche Zusammenarbeit/ Philosophisches SeminarKant und die erste Kant-Rezeption (1786-1796)
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Herzlich willkommen, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule "Kant und die erste Kant-Rezeption (1786-1796)", auf der Homepage zu unserer Veranstaltung! Mit der "Explosion einer
Supernova" hat Dieter Henrich im Jahr 1990 das
"rapide Aufkommen" und den "eruptiven Gang" der nachkantischen
klassischen deutschen Philosophie zwischen den Jahren 1789 und 1796
verglichen (in seinem Aufsatz Die
Erschließung eines Denkraums, in: ders., Konstellationen. Probleme und Debatten am
Ursprung der idealistischen Philosophie (1789-1795), Stuttgart:
Klett-Cotta, 1991, S. 217ff.) - einer Supernova freilich, die hier
nicht ein Ende von etwas markiert (wie in der Astronomie), sondern den
"Aufgang einer Denkart und de[n] Beginn einer Epoche": Noch während
Kant mit der Publikation seiner
Hauptwerke beschäftigt und die Diskussion "über sein Oeuvre [...] kaum
in
volle[n] Gang" geraten war, entstanden in rascher Folge und in
kritischer Auseinandersetzung miteinander auf der einen Seite eine
Reihe von Versuchen einer im buchstäblichen Sinne fundamentalistischen
'Überbietung' Kants; diese bauen zwar
sämtlich auf den Revolutionen der kritischen Philosophie auf,
überschreiten deren
Grenzen aber jeweils deutlich (Reinhold, Maimon,
Schelling [Ich-Schrift], Fichte). Auf
der anderen Seite entwickelte
sich in der von vielen Köpfen getragenen kritischen Auseinandersetzung
mit genau diesen Versuchen (und d. h. am Ende v. a. Fichte) sukzessive
eine
alternative Position: Die "der eigentlich
spekulativen Philosophie" v.a. der philosophischen Frühromantik
(Hölderlin, Novalis, später Friedrich Schlegel). Auch dies geschah aber
wesentlich ebenfalls
vor dem Hintergrund der jungen
Kantischen Philosophie, teils auf Kant selbst zurückgreifend (als
'Rekantianisierung'), teils aber auch von den zeitgenössisch noch voll
präsenten Wurzeln in der leibnizeanisch-wolffischen Schulphilosophie
her.
Die Rekonstruktion dieser
Entwicklung in Form der teils
philosophiegeschichtlich verschütteten, teils niemals offen
verfügbaren Debatten um die genannte rasante Fortentwicklung der
klassischen deutschen Philosophie markiert die
Kernaufgabe der von Henrich ins Leben gerufenen sogenannten
"Konstellationsforschung" - als "Erschließung eines Denkraums", dessen
Dynamik in seiner engen zeitlichen Begrenzung "nichts Vergleichbares in
der Geschichte der Philosophie [entspricht], allenfalls im klassischen
Athen". Ein Verdienst der Konstellationsforschung ist es dabei auch,
das faszinierende Geschehen um die erste
Kant-Rezeption und deren wesentliche Protagonisten überhaupt erst
wieder auf breiterer Basis in den Blick gehoben zu haben.
Wenn wir uns entschlossen
haben, aus Anlaß des Kant-Gedenkjahres
2004 eine Sommerschule eben diesen Aspekt der ersten Kant-Rezeption
herauszugreifen und zum Gegenstand unserer "Internationalen
Sommerschule"
zu machen, so stellen selbstverständlich die Einsichten der
Konstellationsforschung zur Genese von Frühidealismus und
philosophischer Frühromantik (unter leicht verschobener Akzentsetzung
hin zur kantischen Quelle) eine absolut zentrale Perspektive dar;
gleichzeitig aber wird in den Blick zu nehmen sein, daß die
Erschließung der zahlreichen historisch oft verschütteten ersten
Lektüren von Kants Werk gerade durch die Zeitgenossenschaft
ihrer Träger hervorragend geeignet ist, auch eine vorwiegend
systematisch orientierte aktuelle Arbeit an und mit
dem Oeuvre des großen Denkers zu befruchten.
Der Grundidee des
Veranstaltungstyps "Sommerschule" entsprechend, den
Teilnehmern in Vorträgen mit anschließender ausgiebiger Gelegenheit zu
Fragen und Diskussion Einblick in ein spezifisches Forschungsgebiet
gleichsam aus erster Hand, durch prominente einschlägig Forschende
selbst zu geben, ist es uns gelungen, für die Einzelveranstaltungen
zahlreiche namhafter Referenten aus dem Bereich der
"Konstellationsforschung" wie ganz allgemein der Forschung zur
klassischen deutschen Philosophie zu gewinnen.
[nach oben] Der erste Tag des Veranstaltungsprogramms wird
dabei mit dem Vortrag von Karl Ameriks,
einem der prominentesten amerikanischen Kant-Forscher zur
Gesamtdisposition von Kants kritischem Projekt im Spiegel seiner ersten
Rezeption, zunächst einmal eine Art Rahmen für die Gesamttagung
abstecken (was im übrigen den zeitlichen Rahmen im Veranstaltungstitel
anlangt, so steht das Jahr 1786 für
den Beginn der Publikation
von Reinholds "Briefe[n] über die Kantischen Philosophie" im Teutschen
Merkur, mit denen Kants Werk der Weg in eine breitere Öffentlichkeit
geebnet wurde, sowie für das Erscheinen von Carl Christian Erhard
Schmids
"Critik
der reinen Vernunft im Grundrisse", das Jahr 1796 - mit Henrich - für
das allmähliche Ende des beschriebenen Prozesses mit dem "Beginn der
romantischen Theorie, der Etablierung des Homburger Kreises und
Schellings frühen Werken", l. c.). Anstelle des ursprünglich an diesem
Tag eingeplanten Göttinger Kant- und
Idealismus-Forschers Konrad Cramer, der uns leider kurzfristig hat
absagen müssen, haben wir den Cramer- und Henrich-Schüler Jürgen
Stolzenberg (Halle) gewinnen können. Er wird über den für die
unmittelbar nachkantische Debatte nicht zuletzt als zentraler Anreger
wirksamen Friedrich Heinrich Jacobi sprechen, dabei insbesondere dessen
bislang kaum wahrgenommene Auseinandersetzung mit der praktischen
Philosophie Kants.
Der zweite Tag gehört zum einen den beiden ersten großen Kant-'Überbietern' Karl Leonhard Reinhold und Salomon Maimon, deren diesbezügliche "Versuche" beide eine starke Tendenz zur 'Releibnizeanisierung' (im Sinne v.a. einer 'Re-Monismisierung') des kantischen Projekts zeigen, sowie der aus der leibnizeanisch-wolffischen Schulphilosophie kommenden Kritik an Kant (und auch Reinhold): Der Schweizer Reinhold-Spezialist Martin Bondeli wird nach einer allgemeinen Einführung der Personen zu Maimons und Reinholds Vorwurf der Zirkularität beim Beweis synthetischer Urteile a priori sprechen, und die Frank-Schülerin Birgit Rehme-Iffert (Leipzig) wird die Kant- und Reinhold-Kritik u.a. von Johann August Eberhard und Johann Christoph Schwab vorstellen. Der dritte Tag ist gewissermaßen ein Tübinger Tag: Dieter Henrich selbst wird uns einen Teil seiner allerneuesten Forschungen zu den Weiterungen der Debatten über die kantische Philosophie unter den Repetenten und Studenten des Tübinger evangelischen Stifts der Jahre 1790-1792 (unter letzteren haben sich bekanntlich auch Schelling, Hölderlin und Hegel befunden) vorstellen (der Vortrag wird auch, siehe vierter Tag, einen Exkurs zum Wirken des Reinhold-Schülers und Kritikers Johann Benjamin Erhard einschließen); für den Nachmittag ist passend zum Vortragsthema an der Stelle einer weiteren Vortragsveranstaltung eine Führung durch das Tübinger Stift geplant. Der vierte Tag sollte ein wenig das (reinholdkritische) Umfeld Reinholds beleuchten. Leider hat uns der für einen Vortrag zu Reinholds hochbegabten Schülern und Kritikern Johann Benjamin Erhard und Friedrich Carl Forberg vorgesehene Redner, der frühere Henrich-Mitarbeiter Marcelo Stamm so kurzfristig absagen müssen, daß wir keine Vertreung mehr finden konnten. Um zumindest Erhard nicht unbehandelt zu lassen, werden Herr Henrich, Herr Frank und ich selbst im Rahmen unserer Vorträgen kleine Exkurse zu Erhard an geeigneter Stelle einflechten. Mein eigener, nun auf den Vormittag verschobener Vortrag hat das Werk Carl Christian Erhard Schmids zum Thema, Reinholds Kant-getreuerem Jenaer Kollegen, der - auch wegen seiner eigenen Versuche einer Fortführung des Kantischen Werkes - von Karl Rosenkranz einmal gar als der "bedeutendste Kantianer" im Jena jener Tage bezeichnet worden ist. An die Stelle der Nachmittagsveranstaltung haben wir 'Bibliothekszeit' gesetzt, d.h. genauer, nach einer Kurzeinführung in unsere durch ein früheres Forschungsprojekt reich bestückte Sammlung zur Konstellationsforschung und zur unmittelbar nachkantischen Phase der deutschen Philosophie erhalten Sie ausgiebig Gelegenheit zur Recherche und ggf. zum Kopieren, wobei wir Ihnen gerne beratend zur Seite stehen. Die beiden letzten Tage schließlich führen uns in die Kant-Lektüren der Frühromantiker, mit Vorträgen von Herrn Frank zu Novalis' Kant-Studien, von Violetta Waibel (Wien) zu Hölderlins Verhältnis zur Kantischen Philosophie und von Guido Naschert (Gießen/München) zu Friedrich Schlegel. [nach oben] Zur Erleichterung der
Kommunikation zwischen uns und Ihnen v.a. in
organisatorischen Fragen, insbesondere aber, um Ihnen Mittel zu einer
adäquaten Vorbereitung auf die Tagung (gerade mit Blick auf die Frage-
und Diskussionsteile) an die Hand geben zu können, haben wir diese Homepage eingerichtet. Auf der Seite
zur Organisation
der Tagung finden Sie schon jetzt, dann aber jeweils aktualisiert, in
Zusammenfassung Informationen zum Terminplan, zu Ihrer An- und Abreise
und Unterbringung hier bei uns in Tübingen und ähnlichen Formalia.
Unter der Leitseite Referenten werden
Kurzbiographien und Auswahlbibliographien über die Vortragenden bei
unserer Veranstaltung zu erreichen sein (Einrichtung vollständig
voraussichtlich bis Mitte/Ende August). Das Kernstück der Homepage
stellt
die Rubrik Themen
dar: Hier werden - teils auf der Leitseite, teils auf den einzelnen
Vorträgen zugeordneten Unterseiten - Basisinformationen zum
Gesamtkontext der ersten Kant-Rezeption wie zu den einzelnen
behandelten Autoren gegeben; vor allem aber
werden hier als Bestandteile eines kleinen "digitalen Readers" zur Vorbereitung
der Veranstaltung einzelne uns von den Referenten genannte Texte bzw.
Textabschnitte speziell aus heute nur schwer erhältlichen
zeitgenössischen Werken zum Download bereitgestellt werden. (Achtung: ein Teil der Texte steht aus
rechtlichen Gründen nur den
Teilnehmern der Veranstaltung zur Verfügung: Benutzerkennung und
Paßwort haben Sie bereits erhalten). Der
Übersichtlichkeit halber werden alle herunterladbaren Texte unter der
Rubrik Download
noch einmal kompakt
gesammelt. Auf der Seite Kontakt schließlich finden Sie
noch einmal alle für Sie relevanten Adressen, Telefonnummern und
E-Mail-Adressen.
AB
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