Homepage Eberhard-Karls-Universität Tübingen





d3p - home
tiss - home
 

Startseite
Organisation
Referenten
Themen
Downloads
Kontakt













 Veranstaltung
 gefördert durch:
VWlogo

Internationales Zentrum für Wissenschaftliche Zusammenarbeit/ Philosophisches Seminar

linie

Kant und die erste Kant-Rezeption (1786-1796)

Internationale Sommerschule
Tübingen, 12.-19. September 2004 

linie

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Manfred Frank/Andreas Berger M.A.

linie

Zum Geleit


Gegenstand - Programm - Homepage

Herzlich willkommen,


liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule "Kant und die erste Kant-Rezeption (1786-1796)", auf der Homepage zu unserer Veranstaltung!

Mit der "Explosion einer Supernova" hat Dieter Henrich im Jahr 1990 das "rapide Aufkommen" und den "eruptiven Gang" der nachkantischen klassischen deutschen Philosophie zwischen den Jahren 1789 und 1796 verglichen (in seinem Aufsatz Die Erschließung eines Denkraums, in: ders., Konstellationen. Probleme und Debatten am Ursprung der idealistischen Philosophie (1789-1795), Stuttgart: Klett-Cotta, 1991, S. 217ff.) - einer Supernova freilich, die hier nicht ein Ende von etwas markiert (wie in der Astronomie), sondern den "Aufgang einer Denkart und de[n] Beginn einer Epoche": Noch während Kant mit der Publikation seiner Hauptwerke beschäftigt und die Diskussion "über sein Oeuvre [...] kaum in volle[n] Gang" geraten war, entstanden in rascher Folge und in kritischer Auseinandersetzung miteinander auf der einen Seite eine Reihe von Versuchen einer im buchstäblichen Sinne fundamentalistischen 'Überbietung' Kants; diese bauen zwar sämtlich auf den Revolutionen der kritischen Philosophie auf, überschreiten deren Grenzen aber jeweils deutlich (Reinhold, Maimon, Schelling [Ich-Schrift], Fichte). Auf der anderen Seite entwickelte sich in der von vielen Köpfen getragenen kritischen Auseinandersetzung mit genau diesen Versuchen (und d. h. am Ende v. a. Fichte) sukzessive eine alternative Position: Die "der eigentlich spekulativen Philosophie" v.a. der philosophischen Frühromantik (Hölderlin, Novalis, später Friedrich Schlegel). Auch dies geschah aber wesentlich ebenfalls vor dem Hintergrund der jungen Kantischen Philosophie, teils auf Kant selbst zurückgreifend (als 'Rekantianisierung'), teils aber auch von den zeitgenössisch noch voll präsenten Wurzeln in der leibnizeanisch-wolffischen Schulphilosophie her.

Die Rekonstruktion dieser Entwicklung in Form der teils philosophiegeschichtlich verschütteten, teils niemals offen verfügbaren Debatten um die genannte rasante Fortentwicklung der klassischen deutschen Philosophie markiert die Kernaufgabe der von Henrich ins Leben gerufenen sogenannten "Konstellationsforschung" - als "Erschließung eines Denkraums", dessen Dynamik in seiner engen zeitlichen Begrenzung "nichts Vergleichbares in der Geschichte der Philosophie [entspricht], allenfalls im klassischen Athen". Ein Verdienst der Konstellationsforschung ist es dabei auch, das faszinierende Geschehen um die erste Kant-Rezeption und deren wesentliche Protagonisten überhaupt erst wieder auf breiterer Basis in den Blick gehoben zu haben.

Wenn wir uns entschlossen haben, aus Anlaß des Kant-Gedenkjahres 2004 eine Sommerschule eben diesen Aspekt der ersten Kant-Rezeption herauszugreifen und zum Gegenstand unserer "Internationalen Sommerschule" zu machen, so stellen selbstverständlich die Einsichten der Konstellationsforschung zur Genese von Frühidealismus und philosophischer Frühromantik (unter leicht verschobener Akzentsetzung hin zur kantischen Quelle) eine absolut zentrale Perspektive dar; gleichzeitig aber wird in den Blick zu nehmen sein, daß die Erschließung der zahlreichen historisch oft  verschütteten ersten Lektüren von Kants Werk gerade durch die Zeitgenossenschaft ihrer Träger hervorragend geeignet ist, auch eine vorwiegend systematisch orientierte aktuelle Arbeit an und mit dem Oeuvre des großen Denkers zu befruchten.

Der Grundidee des Veranstaltungstyps "Sommerschule" entsprechend, den Teilnehmern in Vorträgen mit anschließender ausgiebiger Gelegenheit zu Fragen und Diskussion Einblick in ein spezifisches Forschungsgebiet gleichsam aus erster Hand, durch prominente einschlägig Forschende selbst zu geben, ist es uns gelungen, für die Einzelveranstaltungen zahlreiche namhafter Referenten aus dem Bereich der "Konstellationsforschung" wie ganz allgemein der Forschung zur klassischen deutschen Philosophie zu gewinnen.

[nach oben]

Der erste Tag des Veranstaltungsprogramms wird dabei mit dem Vortrag von Karl Ameriks, einem der prominentesten amerikanischen Kant-Forscher zur Gesamtdisposition von Kants kritischem Projekt im Spiegel seiner ersten Rezeption, zunächst einmal eine Art Rahmen für die Gesamttagung abstecken (was im übrigen den zeitlichen Rahmen im Veranstaltungstitel anlangt, so steht das Jahr 1786 für den Beginn der Publikation von Reinholds "Briefe[n] über die Kantischen Philosophie" im Teutschen Merkur, mit denen Kants Werk der Weg in eine breitere Öffentlichkeit geebnet wurde, sowie für das Erscheinen von Carl Christian Erhard Schmids "Critik der reinen Vernunft im Grundrisse", das Jahr 1796 - mit Henrich - für das allmähliche Ende des beschriebenen Prozesses mit dem "Beginn der romantischen Theorie, der Etablierung des Homburger Kreises und Schellings frühen Werken", l. c.). Anstelle des ursprünglich an diesem Tag eingeplanten Göttinger Kant- und Idealismus-Forschers Konrad Cramer, der uns leider kurzfristig hat absagen müssen, haben wir den Cramer- und Henrich-Schüler Jürgen Stolzenberg (Halle) gewinnen können. Er wird über den für die unmittelbar nachkantische Debatte nicht zuletzt als zentraler Anreger wirksamen Friedrich Heinrich Jacobi sprechen, dabei insbesondere dessen bislang kaum wahrgenommene Auseinandersetzung mit der praktischen Philosophie Kants.

Der zweite Tag gehört zum einen den beiden ersten großen Kant-'Überbietern' Karl Leonhard Reinhold und Salomon Maimon, deren diesbezügliche "Versuche" beide eine starke Tendenz zur 'Releibnizeanisierung' (im Sinne v.a. einer 'Re-Monismisierung') des kantischen Projekts zeigen, sowie der aus der leibnizeanisch-wolffischen Schulphilosophie kommenden Kritik an Kant (und auch Reinhold): Der Schweizer Reinhold-Spezialist Martin Bondeli wird nach einer allgemeinen Einführung der Personen zu Maimons und Reinholds Vorwurf der Zirkularität beim Beweis synthetischer Urteile a priori sprechen, und die Frank-Schülerin Birgit Rehme-Iffert (Leipzig) wird die Kant- und Reinhold-Kritik u.a. von Johann August Eberhard und Johann Christoph Schwab vorstellen.

Der dritte Tag ist gewissermaßen ein Tübinger Tag: Dieter Henrich selbst wird uns einen Teil seiner allerneuesten Forschungen zu den Weiterungen der Debatten über die kantische Philosophie unter den Repetenten und Studenten des Tübinger evangelischen Stifts der Jahre 1790-1792 (unter letzteren haben sich bekanntlich auch Schelling, Hölderlin und Hegel befunden) vorstellen (der Vortrag wird auch, siehe vierter Tag, einen Exkurs zum Wirken des Reinhold-Schülers und Kritikers Johann Benjamin Erhard einschließen); für den Nachmittag ist passend zum Vortragsthema an der Stelle einer weiteren Vortragsveranstaltung eine Führung durch das Tübinger Stift geplant.

Der vierte Tag sollte ein wenig das (reinholdkritische) Umfeld Reinholds beleuchten. Leider hat uns der für einen Vortrag zu Reinholds hochbegabten Schülern und Kritikern Johann Benjamin Erhard und Friedrich Carl Forberg vorgesehene Redner, der frühere Henrich-Mitarbeiter Marcelo Stamm so kurzfristig absagen müssen, daß wir keine Vertreung mehr finden konnten. Um zumindest Erhard nicht unbehandelt zu lassen, werden Herr Henrich, Herr Frank und ich selbst im Rahmen unserer Vorträgen kleine Exkurse zu Erhard an geeigneter Stelle einflechten. Mein eigener, nun auf den Vormittag verschobener Vortrag hat das Werk Carl Christian Erhard Schmids zum Thema, Reinholds Kant-getreuerem Jenaer Kollegen, der - auch wegen seiner eigenen Versuche einer Fortführung des Kantischen Werkes - von Karl Rosenkranz einmal gar als der "bedeutendste Kantianer" im Jena jener Tage bezeichnet worden ist. An die Stelle der Nachmittagsveranstaltung haben wir 'Bibliothekszeit' gesetzt, d.h. genauer, nach einer Kurzeinführung in unsere durch ein früheres Forschungsprojekt reich bestückte Sammlung zur Konstellationsforschung und zur unmittelbar nachkantischen Phase der deutschen Philosophie erhalten Sie ausgiebig Gelegenheit zur Recherche und ggf. zum Kopieren, wobei wir Ihnen gerne beratend zur Seite stehen.

Die beiden letzten Tage schließlich führen uns in die Kant-Lektüren der Frühromantiker, mit Vorträgen von Herrn Frank zu Novalis' Kant-Studien, von Violetta Waibel (Wien) zu Hölderlins Verhältnis zur Kantischen Philosophie und von Guido Naschert (Gießen/München) zu Friedrich Schlegel.

[nach oben]

Zur Erleichterung der Kommunikation zwischen uns und Ihnen v.a. in organisatorischen Fragen, insbesondere aber, um Ihnen Mittel zu einer adäquaten Vorbereitung auf die Tagung (gerade mit Blick auf die Frage- und Diskussionsteile) an die Hand geben zu können, haben wir diese Homepage eingerichtet. Auf der Seite zur Organisation der Tagung finden Sie schon jetzt, dann aber jeweils aktualisiert, in Zusammenfassung Informationen zum Terminplan, zu Ihrer An- und Abreise und Unterbringung hier bei uns in Tübingen und ähnlichen Formalia. Unter der Leitseite Referenten werden Kurzbiographien und Auswahlbibliographien über die Vortragenden bei unserer Veranstaltung zu erreichen sein (Einrichtung vollständig voraussichtlich bis Mitte/Ende August). Das Kernstück der Homepage stellt die Rubrik Themen dar: Hier werden - teils auf der Leitseite, teils auf den einzelnen Vorträgen zugeordneten Unterseiten - Basisinformationen zum Gesamtkontext der ersten Kant-Rezeption wie zu den einzelnen behandelten Autoren gegeben; vor allem aber werden hier als Bestandteile eines kleinen "digitalen Readers" zur Vorbereitung der Veranstaltung einzelne uns von den Referenten genannte Texte bzw. Textabschnitte speziell aus heute nur schwer erhältlichen zeitgenössischen Werken zum Download bereitgestellt werden. (Achtung: ein Teil der Texte steht aus rechtlichen Gründen nur den Teilnehmern der Veranstaltung zur Verfügung: Benutzerkennung und Paßwort haben Sie bereits erhalten). Der Übersichtlichkeit halber werden alle herunterladbaren Texte unter der Rubrik Download noch einmal kompakt gesammelt. Auf der Seite Kontakt schließlich finden Sie noch einmal alle für Sie relevanten Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen.

AB              

Download: Textversion dieser Seite (pdf/Acrobat-Datei) (~131 kB)

[nach oben]


linie
[tiss] / ©2002 ZDV , Universität Tübingen , Philosophisches Seminar , IZ

/